Ablauf einer Verhaltensberatung

So arbeite ich

Verhalten lässt sich selten anhand eines einzelnen Symptoms beurteilen. Deshalb beginnt eine Verhaltensberatung für mich damit, möglichst genau zu verstehen, was im Alltag des Tieres geschieht, in welchem Zusammenhang ein Verhalten auftritt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen können.

Dabei betrachte ich nicht nur das Verhalten selbst, sondern auch das Umfeld, die Lebensbedingungen, Erfahrungen und mögliche Auslöser. Auch das körperliche Befinden des Tieres gehört für mich immer mit in die Betrachtung.

Ziel ist nicht, möglichst schnell eine Erklärung zu finden, sondern die Situation so umfassend wie möglich einzuordnen und daraus sinnvolle und im Alltag umsetzbare Schritte abzuleiten.

1. Die erste Kontaktaufnahme

Am Anfang steht Ihre Anfrage – beispielsweise telefonisch oder per E-Mail.

Manchmal lässt sich eine Frage bereits in einem kurzen Gespräch klären. Bei umfangreicheren oder zunächst schwer einzuschätzenden Anliegen erhalten Sie in der Regel einen Fragebogen. Darin frage ich wichtige Informationen zu Ihrem Tier, seiner Vorgeschichte, seinem Alltag und dem betreffenden Verhalten ab.

Nachdem der ausgefüllte Fragebogen bei mir eingegangen ist, schaue ich mir die Angaben in Ruhe an. Erst dann lässt sich häufig sinnvoll entscheiden, wie es weitergeht:

Ist ein Hausbesuch sinnvoll? Ist eine Online-Beratung für diese Fragestellung geeignet? Werden zunächst noch weitere Informationen benötigt? Oder liegt das Anliegen möglicherweise außerhalb dessen, was ich im Rahmen einer tierpsychologischen Beratung sinnvoll begleiten kann?

Bei umfassenderen Verhaltensfragen tendiere ich, wenn es möglich und sinnvoll ist, eher zu einem Hausbesuch. Eine Online-Beratung kann in geeigneten Fällen eine gute Möglichkeit sein. Vor Ort erhalte ich jedoch häufig zusätzliche Informationen über das Tier, sein Lebensumfeld und das Zusammenleben, die sich aus Gesprächen, Fotos oder Videos allein nicht ergeben.

2. Gesundheitliche Aspekte immer mitdenken

Das körperliche Befinden des Tieres steht für mich während des gesamten Beratungsverlaufs mit im Blick.

Schmerzen, Erkrankungen oder andere körperliche Veränderungen können Verhalten auslösen, verstärken oder verändern. Ein noch so gut durchdachter Therapie- oder Trainingsplan kann wenig bewirken, wenn eine wesentliche körperliche Ursache unentdeckt bleibt.

Manchmal ergeben sich bereits aus dem Fragebogen Hinweise darauf, dass zunächst eine tierärztliche Untersuchung sinnvoll ist. Ebenso können erst während eines Hausbesuchs, beim Training oder im weiteren Verlauf Beobachtungen entstehen, die eine zusätzliche Abklärung sinnvoll erscheinen lassen.

In solchen Fällen empfehle ich beispielsweise eine tierärztliche, physiotherapeutische oder andere fachliche Abklärung. Tierpsychologische Beratung ersetzt keine medizinische Diagnostik – unterschiedliche Fachbereiche können sich jedoch sinnvoll ergänzen.

3. Informationen vor dem Termin

Je mehr relevante Informationen bereits vorliegen, desto gezielter kann ich mich auf einen Termin vorbereiten.

Abhängig von der Fragestellung können neben dem Fragebogen beispielsweise hilfreich sein:

  • Fotos des Tieres und seiner Umgebung
  • Videos bestimmter Verhaltenssituationen oder Interaktionen
  • Skizzen oder Grundrisse von Wohnung, Haus, Garten oder anderen relevanten Bereichen
  • vorhandene tierärztliche Befunde oder Untersuchungsergebnisse
  • Informationen zu Tagesablauf, Haltung und bisherigen Veränderungen

Fotos und Videos können wertvolle Hinweise liefern. Gleichzeitig zeigen sie immer nur einen Ausschnitt. Gerade bei komplexeren Situationen ist es deshalb häufig hilfreich, mir vor Ort selbst ein Bild machen zu können.

4. Vorbereitung auf den Hausbesuch

Für meine Einschätzung ist der möglichst unveränderte Ist-Zustand besonders hilfreich.

Bitte verändern Sie deshalb vor dem Termin nicht eigens den Tagesablauf Ihres Tieres oder versuchen Sie, sein Verhalten für meinen Besuch zu beeinflussen.

Ein Hund sollte beispielsweise nicht vorher ungewöhnlich lange ausgeführt oder beschäftigt werden, damit er beim Termin besonders ruhig ist. Ebenso müssen problematische Situationen nicht künstlich herbeigeführt oder „vorgeführt“ werden.

Am hilfreichsten ist für mich ein möglichst normaler Alltag.

5. Der Hausbesuch – beobachten, fragen und Zusammenhänge erfassen

Die Erstberatung dauert in der Regel etwa zwei Stunden und dient zunächst vor allem der Datenaufnahme, Beobachtung und Einordnung der Situation.

Nach Möglichkeit sollten die Menschen anwesend sein, die im Alltag hauptsächlich mit dem Tier zu tun haben. Auch das Tier selbst sollte während des Termins anwesend sein.

Bei Freigängerkatzen bedeutet das gegebenenfalls, dass sie für die Zeit des Termins zu Hause bleiben müssen. Sehr ängstliche Tiere müssen dagegen selbstverständlich nicht zu einer Kontaktaufnahme gedrängt werden. Auch Rückzug, Verhalten auf Distanz und Reaktionen auf meine Anwesenheit können bereits wichtige Informationen liefern.

Während des Hausbesuchs achte ich nicht nur auf das Verhalten, wegen dessen ich gerufen wurde. Auch Umgebung, räumliche Gegebenheiten, Routinen, Interaktionen und scheinbar kleine Details können für die Einschätzung wichtig sein.

Natürlich besprechen wir während des Termins bereits Zusammenhänge und mögliche erste Veränderungen. Bei Hunden kann es beispielsweise sinnvoll sein, gemeinsam vor die Tür zu gehen, eine konkrete Alltagssituation anzuschauen oder bereits eine erste Übung durchzuführen.

Die Erstberatung ist jedoch nicht darauf ausgerichtet, nach zwei Stunden um jeden Preis einen fertigen Therapieplan präsentieren zu müssen.

6. Einordnen und nacharbeiten

Manche Zusammenhänge werden während eines Hausbesuchs sehr schnell deutlich. Andere benötigen mehr Zeit.

Neben den Informationen aus dem Gespräch nehme ich während eines Termins viele weitere Eindrücke auf: das Verhalten des Tieres, seine Umgebung, Interaktionen, Abläufe und manchmal Details, deren Bedeutung erst im Gesamtbild erkennbar wird.

Deshalb kann es vorkommen, dass ich einen Fall nach dem Termin zunächst nacharbeite, Informationen überprüfe oder unterschiedliche mögliche Erklärungen noch einmal gegeneinander abwäge.

Erst daraus ergeben sich dann die weiteren Empfehlungen oder ein Therapie- beziehungsweise Trainingsplan.

Eine sorgfältige Einordnung ist mir wichtiger als eine schnelle Antwort.

7. Lösungen müssen zum Tier und zum Alltag passen

An erster Stelle steht für mich das Tier mit seinen Bedürfnissen und der Frage, was aus fachlicher Sicht sinnvoll wäre.

Gleichzeitig muss eine Empfehlung im wirklichen Leben der Menschen umsetzbar sein.

Ein theoretisch perfekter Plan hilft niemandem, wenn er aufgrund von Arbeitszeiten, familiärer Situation, Wohnumfeld oder anderen Rahmenbedingungen praktisch nicht durchgeführt werden kann.

Deshalb suche ich gemeinsam mit den Tierhalterinnen und Tierhaltern nach Lösungen, die die Bedürfnisse des Tieres berücksichtigen und gleichzeitig realistisch in den jeweiligen Alltag passen.

8. Was kommt zuerst?

Wenn mehrere Schwierigkeiten gleichzeitig bestehen, muss und sollte nicht immer alles zur selben Zeit verändert werden.

Dabei spielt einerseits eine Rolle, was für die Tierhalter im Alltag besonders dringend ist. Andererseits kann es fachlich sinnvoll sein, zunächst an einem ganz anderen Punkt anzusetzen.

Manchmal bedingt ein Problem ein anderes. Eine Veränderung an einer Stelle kann deshalb gleichzeitig Auswirkungen auf weitere Verhaltensbereiche haben.

Gemeinsam legen wir fest, womit sinnvollerweise begonnen wird und welche Schritte zunächst warten können. Ein Therapie- oder Trainingsplan ist für mich deshalb kein starres Programm, sondern eine Orientierung, die bei Bedarf an die weitere Entwicklung angepasst wird.

9. Wie es nach der Erstberatung weitergeht

Das weitere Vorgehen hängt stark vom jeweiligen Tier und vom Anliegen ab.

Bei Katzen reicht häufig bereits ein ausführlicher Hausbesuch aus, um notwendige Veränderungen im Alltag, im Lebensumfeld oder im Umgang herauszuarbeiten. Die weitere Entwicklung lässt sich anschließend oftmals über Rückmeldungen, Telefonate, E-Mails sowie Fotos oder Videos begleiten.

Bei Hunden ist häufiger zusätzlich praktisches Training erforderlich. Dabei arbeite ich nicht nach dem Prinzip, einfach jede Woche zum gleichen Zeitpunkt den nächsten Termin anzusetzen.

Zwischen den Trainingseinheiten brauchen Mensch und Hund Zeit, das Besprochene im Alltag umzusetzen und zu üben. Der nächste Termin sollte sich deshalb möglichst am Lernfortschritt orientieren: Was funktioniert bereits? Wo treten Schwierigkeiten auf? Und welcher nächste Trainingsschritt ist jetzt sinnvoll?

10. Rückmeldung und weitere Begleitung

Verhaltensveränderungen brauchen unterschiedlich viel Zeit. Manche Veränderungen werden schnell sichtbar, andere entwickeln sich über Wochen oder Monate.

Nach einer Therapieempfehlung ist mir deshalb eine Rückmeldung nach einigen Wochen wichtig. Dann können wir gemeinsam schauen:

Was hat sich verändert? Was funktioniert gut? Wo gibt es noch Schwierigkeiten? Müssen einzelne Empfehlungen angepasst oder ergänzt werden?

Wie lange eine Begleitung dauert, lässt sich nicht pauschal festlegen. Bei manchen Tierhaltern reichen ein Beratungstermin und einige anschließende Rückmeldungen. Andere begleite ich über einen längeren Zeitraum – in einzelnen Fällen auch über mehrere Jahre.

Und auch wenn keine weitere Beratung notwendig ist, freue ich mich über eine spätere Rückmeldung nach einigen Monaten. Gerade dadurch lässt sich oft erst erkennen, wie sich Veränderungen langfristig im Alltag bewährt haben.

Informationen zu den Kosten der Beratung finden Sie unter Kosten & Honorare.


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